Bundesweite Tierrettungsleitstelle

24 h Notruf: 0700 - 952 952 95 (12 Cent/Min.)

Tipps

Wie verhalte ich mich bei einem Tiernotfall richtig?

Kommen Sie in die Situation, ein Tier in einer Notsituation, ob verletzt, krank, eingeklemmt, oder in irgend einer anderen Notlage zu finden, reagieren Sie besonnen und ruhig. Gehen Sie wie folgt vor.

  • Bewahren Sie Ruhe
  • Verschaffen Sie sich einen Überblick über die Gesamtsituation
  • Versuchen Sie festzustellen, was dem Tier fehlt
  • Klären Sie, ob Sie das Tier selbst zu einem Tierarzt transportieren können, oder ob Sie Hilfe benötigen
  • Wenn möglich stabilisieren Sie das Tier in der aufgefundenen Lage oder lassen es so liegen, wie Sie es vorgefunden haben
  • Verständigen Sie den Tierrettungsdienst, oder ziehen Sie einen Tierarzt hinzu Beide können auch über die unseren Notruf angefordert werden
  • Verständigen Sie den Besitzer des Tieres, sofern Ihnen dieser bekannt ist.
  • Leiten Sie erste Sofortmaßnahmen ein, sofern Sie sich dazu in der Lage fühlen
  • Bleiben Sie bei dem Tier bis die angeforderte Hilfe eintrifft

Merke:
Verhalten Sie sich generell vorsichtig beim Umgang mit fremden und vorallem verletzten Tieren. Sie stehen meistens unter Schock, haben Schmerzen und Angst. Deshalb reagieren Tiere oftmals unerwartet aggressiv und bösartig. Sie können den Helfer durch Bisse, mit den Krallen oder dem Schnabel verletzen.

Scheuen Sie sich nicht Hilfe herbeizuholen, weil Sie Angst haben die Kosten übernehmen zu müssen. Die Kosten trägt ausschliesslich der Tierbesitzer oder dessen Versicherung. Bei Wild- oder Fundtieren werden die Kosten andersweitig abgegolten. Die Kostenfrage steht in keinem Fall im Vordergrund. Wir leisten unseren Dienst zum Wohle der in Not geratenen Tiere.

Fordern Sie uns auch an, wenn Sie nicht sicher sind, ob das Tier noch lebt, oder bereits verendet ist. Es könnte ja bewustlos sein! Stellen Sie diese Entscheidung einfach unter das Motto: Lieber einem toten Tier helfen, als einem lebenden Tier die Hilfe zu verweigern.

Hausnotfall, auf der Straße oder in freier Natur

Ein Tier ist schwer verletzt oder in Not. Normaler Weise passiert ein Notfall überraschend. Dringende Hilfe ist geboten. Nun beginnt die Suche nach einer Einrichtung, die Hilfe anbieten kann. Die erste und beste Idee ist wohl der Anruf bei meinem eigenen Tierarzt, oder in der nächsten Tierklinik. Wenn diese aber nicht erreichbar sind, keinen Dienst haben, oder die Ärzte können die Praxis nicht verlassen, und ich selbst bin nicht in der Lage mit dem eigenen Fahrzeug das Tier zu transportieren, bleibt nur der Anruf bei der Tierrettungsleitstelle. Diese ist 24 Stunden unter den oben aufgeführten Notrufnummern erreichbar. Sie nimmt Ihren Notruf entgegen und versucht Ihnen weiterzuhelfen. Die Leitstelle verfügt über eine bundesweite Datei von Tierärzten, Tierkliniken und natürlich Tierrettungsfahrzeugen. Bei einem Notfall wird dann auf Grund der vorliegenden Indikation das am nächsten stationierte und freie Rettungsmittel eingesetzt.

Der UNA Tierrettungsdienst und dessen Kooperationspartner haben im Jahr 2012 über 5000 Einsätze gefahren. Davon sind ca. 60% Hausnotfälle und Verkehrsunfälle, ca. 30% Bergung von in Notlagen befindlichen Tieren, und ca. 10% andere verletzte Tiere. Bei Wildtieren verständigt unsere Leitstelle in jedem Fall die zuständige Polizeidienststelle und den Revierförster. Vögel werden dem zuständigen Tierheim oder einer Wildtierstation zugeführt, oder von diesen direkt abgeholt.

Hund im "Backofen"

Im Sommer wird es heiß! Sowohl Hunde und Katzen als auch Nagetiere können einen Hitzschlag erleiden. Schon ab 20 Grad Außentemperatur droht der Tod! Bei geschlossenen Fenstern steigt die Temperatur im Fahrzeuginnern schnell auf 50 Grad oder mehr an. Auch ein kleiner, geöffneter Fensterspalt reicht nicht aus, um die Erhitzung im Innern des Fahrzeuges zu verhindern. Schon nach wenigen Minuten kann dies zu einem lebensbedrohlichen Zustand für die Tiere werden. Leider werden auch in diesem Sommer wieder viele Tiere durch Hitzschlag qualvoll im Auto sterben. Lassen Sie es nicht soweit kommen! Helfen Sie mit, andere Tierbesitzer zu informieren.

Was ist zu tun?  Bringen Sie das das Tier umgehend an einen schattigen Platz und kühlen es langsam mit nassen Tüchern für mindestens 30 Minuten ab. Ist das Tier bei Bewusstsein -und nur dann- schluckweise Wasser anbieten. Bei Bewusstlosigkeit muss das Tier in die stabile Seitenlage gebracht werden, wobei die Zunge heraushängen muss. Beobachten Sie ein Tier in einer Notsituation im Auto, zögern Sie nicht, die Polizei zu rufen! Ein Hitzschlag ist ein medizinischer Notfall! Das Tier muss deshalb schnellstmöglich in tierärztliche Behandlung. Sollten Sie keine Transportmöglichkeit haben, setzen Sie sofort einen Notruf an unsere Tierrettungsleitstelle ab.
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Myxomatose Kaninchen
Die Myxomatose (Kaninchenpest) ist eine durch das Leporipoxvirus myxomatosis oder Myxomatosevirus, welches zu den Pockenviren gehört, ausgelöste Viruserkrankung, die fast ausschließlich unter Haus- und Wildkaninchen auftritt. Feldhasen sind für die Erkrankung weitgehend unempfindlich.
Übertragung und Verbreitung - Die Übertragung des Virus findet am häufigsten indirekt durch stechende, blutsaugende Insekten wie Stechmücken und Flöhe statt. Ein wirksamer Mückenschutz ist deshalb gerade für größere Bestände wichtig. Eine erhöhte Insektenpopulation der Vektoren in feuchtwarmen Sommern und im Herbst führt zu einem gehäuften Auftreten der Erkrankung in diesen Jahreszeiten. Ferner kann das Virus mit der Äsung sowie durch direkten Kontakt von Tier zu Tier durch Beschnuppern und Schleimhautkontakt übertragen werden.
Im Verlauf eines epidemischen Zyklus, an dessen Beginn meist ein hochvirulenter Virusstamm steht und eine Sterblichkeit von bis zu 100 % nach sich zieht, kommt es zunehmend zu milderen oder atypischen Verläufen durch Abschwächung und Anpassung des Virus an die Wirte. Das ursprünglich aus Südamerika stammende Myxomatosevirus ist in ganz Mitteleuropa verbreitet. Die nord- und südamerikanischen Kaninchenarten (Baumwollschwanzkaninchen) zeigen nur geringe oder gar keine Krankheitserscheinungen und stellen ein natürliches Erregerreservoir dar. Feldhasen sind für das Myxomatosevirus nur wenig empfindlich. Selbst bei hohem Infektionsdruck erkranken maximal 1 % der Feldhasen.
Nach Australien wurde es absichtlich zur Kontrolle der dortigen Kaninchenpopulation eingeführt. In Europa wurde das Virus 1952 durch Paul-Félix Armand-Delille eingeführt. Um die Kaninchenpopulation auf seinem eingezäunten Landsitz Maillebois zu dezimieren, ließ er sich den brasilianischen Myxomatosevirusstamm 1952 aus der Schweiz schicken und infizierte am 14. Juni 1952 zwei Wildkaninchen.
Akuter Verlauf - Nach einer Inkubationszeit von drei bis neun Tagen treten die ersten Symptome auf. Das Kaninchen wirkt apathisch, es zeigt Fressunlust und trinkt wenig. Beim akuten Verlauf der Krankheit treten Schwellungen und Entzündungen im Bereich der Augenlider, des Mundes, der Ohren, der Lippen und des Genitalbereiches auf. Nach zirka 10 bis 14 Tagen endet die Krankheit meistens mit dem Tod.
Chronischer Verlauf - Beim chronischen Verlauf der Krankheit treten vermehrt Pusteln auf. Eine Heilung ist in Einzelfällen möglich. In manchen Fällen erholt sich das Kaninchen wieder (Spontanheilung), trägt die Seuche jedoch weiterhin in sich.
Behandlung und Heilungsaussichten - Für Myxomatose gibt es keine spezielle Behandlung. Meist wird das Tier mit Antibiotika behandelt, um Sekundärentzündungen durch Bakterien zu lindern. Darüber hinaus können Wirkstoffe verabreicht werden, die eine kurzzeitig andauernde Immunität beim Kaninchen bewirken (sog. Paramunitätsinducer). Je nach Virulenz liegt die Letalität bei 20 bis 100 %. Vorbeugend kann jedoch eine halbjährliche Impfung mit einem abgeschwächten Lebendimpfstoff Schutz gegen eine Infektion bieten. Ungeimpften erkrankten Tieren kann man die Schmerzen ein wenig abnehmen, indem man ihnen Augentropfen gibt und sie mit Kochsalzlösung inhalieren lässt. Einige Tiere überleben auch ohne Impfschutz. Bei neu in einen empfänglichen Bestand einzuführenden Kaninchen sollte eine 14-tägige Quarantäne eingehalten sowie eine Impfung durchgeführt werden.
Myxomatose Kaninchen in den Städten - leider steigt die Zahl der Myxomatose erkrankten Kaninchen in den Städten sehr stark an. Oftmals werden diese Tiere als angefahrene Tiere angesehen und somit als verletzt gemeldet. Tatsächlich sind diese Tiere aber keine klassische Einsatzindikation für den Tierrettungsdienst. Vielmehr sind hier die städtischen Behörden gefragt. Aufklärung der Bevölkerung und ein gezieltes Vorgehen in Stadtgebieten wäre sinnvoll. Leider werden die Bürger aber nur unzureichend informiert und kurzer Hand mit dem Problem des aufgefundenen Tieres alleine gelassen. Man kann nur empfehlen, sich an die zuständigen Behörden seiner Stadt zu wenden und diese nach vorhandenen Verhaltensregeln zu fragen.

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Junges Wildtier gefunden - was tun ?
Im Frühjahr und Frühsommer finden viele Tierfreunde bei Spaziergängen oder im Garten vermeintlich verwaiste und vermeintlich hilflose Jungvögel, Hasen, Wildkaninchen oder Rehkitze. Häufig werden die Tiere sofort mitgenommen, da man befürchtet, dass der Nachwuchs von den Elterntieren nicht mehr versorgt wird. Dabei ist gerade bei jungen Wildtieren die geduldige Zurückhaltung des Tierfreundes hilfreicher als ein vorschnelles "einsammeln", denn einen unverwehrten Jungtier wird durch ein Eingreifen in sein Leben mehr geschadet als geholfen. Die Handaufzucht von Wildtieren ist ausgesprochen schwierig und mit der eines Haustieres nicht vergleichbar. Auch können überlebenswichtige Verhaltensweisen, die Tiereltern ihrem Nachwuchs beibringen, außerhalb der freien Natur und ohne "tierischen Vorbilder" häufig gar nicht erlernt werden.

Bei Jungvögeln wird häufig angenommen sie seien aus dem Nest gefallen oder von den Eltern verlassen. Dies ist jedoch nur sehr selten der Fall. Der befiederte Jungvogel verlässt selbständig das Nest und sitzt dann allein auf dem Boden oder im Gebüsch. Dort steht er durch Bettelrufe -die sich für uns Menschen vielfach kläglich und "hilfeheischend" anhören- mit den Eltern in Verbindung. Er wird weiterhin von diesen gefüttert und zum Fliegen und zur selbständigen Futtersuche angeregt. Diese Phase ist für den kleinen Wildvogel von besonders großer Bedeutung und kein Mensch kann diese "Elternarbeit" ersetzten. Unverletzte Jungvögel, die Sie am Straßenrand finden, können Sie vorsichtig in ein nahegelegenes Gebüsch setzten. Die Tiere werden sich für die Eltern bemerkbar machen. Falls Sie Zweifel hegen, ob ein Jungvogel von den Eltern versorgt wird, verstecken Sie sich so weit entfernt wie möglich, verhalten sich ruhig und beobachten Sie den Jungvogel mindesten eine Stunde. Für den noch unbefiederten Vogel, der hilflos auf dem Boden liegt, ist der beste Ort das Nest der Eltern. Dort hat er die größten Überlebenschancen. Sie sollten deshalb die nähere Umgebung sorgfältig nach dem Vogelnest absuchen und den Jungvogel vorsichtig hineinsetzen, sofern er unverletzt ist.

Ein allein auf einem Feld sitzendes Feldhasenbaby oder Rehkitz, dessen Mutter nicht zu sehen ist, verleitet viele Spaziergänger dazu, das Jungtier anzufassen. Dies führt aufgrund des Fremdgeruches des Menschen unweigerlich zum Verstoßen des Jungtieres durch die Mutter und hat somit den sicheren Tod zur Folge. Um keine Fressfeinde auf den Nachwuchs aufmerksam zu machen, sucht die Feldhasenmutter ihren Nachwuchs, welcher in einer flachen Erdmulde sitzt, lediglich zweimal am Tag (also nur alle 12 Stunden) zum säugen auf und bleibt dabei nur etwa zwei bis drei Minuten bei ihm. Ansonsten verlässt sie sich auf den Schutz durch den nahezu komplett fehlenden Eigengeruch des Hasenkindes. Wollen ein Rehkitz und die Ricke zueinander finden, so verständigen sie sich häufig durch Laute, die ein übereifriger Tierfreund für "Verlassens Schreie" halten könnte.

Tierfreunde, die zum Schutz junger Wildtiere beitragen wollen, sollten sich an folgenden Verhaltensregeln halten: Auf Wald- und Feldwegen bleiben; Hunde an der Leine führen; Lärm vermeiden: Jungtiere nicht anfassen: bei im Garten am Boden sitzenden Jungvögeln Hund und Katze nicht unbeaufsichtigt laufen lassen. Vielleicht befindet sich in der Nähe eines jungen Wildtieres sogar ein Elterntier, welches nur darauf wartet, dass der Mensch endlich verschwindet.
(Mit freundlicher Genehmigung der Tierrettung Herford)